Kinder in der Werbefalle

Die freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft für Kinderwerbung, die sogenannte EU Pledge, ist gescheitert. Zu diesem Ergebnis kommen viele Ärzte, Wissenschaftler und Verbraucherschützer. Sie fordern die Bundesregierung auf, per Gesetz die Werbung für Kinder einzuschränken. Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt fordert schärfere Gesetze für Werbewirtschaft und Lebensmittelhersteller. "Ich stelle immer noch fest, dass wir in unserem Kinderprogramm Werbung haben für Lebensmittel, die einfach ungesund sind", sagte er im Frontal21-Interview. Damit stellt sich erstmals ein CDU-Fachpolitiker beim Thema Kinderwerbung offen gegen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, CSU. Schmidt sieht bisher keinen Handlungsbedarf. "Verbote von Lebensmitteln oder Werbeverbote sind der falsche Weg", teilt das Ministerium auf Nachfrage mit.


15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig

 

Hintergrund ist ein heftiger Streit um eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie, den sogenannten EU Pledge. Die Industrievertreter hatten 2007 angekündigt, Werbung für Kinder für unausgewogene Lebensmittel stärker einzuschränken. Namhafte Hersteller wie Nestlé, Coca-Cola oder Danone sind der Vereinbarung mit dem Versprechen beigetreten: "Wir werden unsere Lebensmittelwerbung für Kinder verändern." Viele Ärzte, Wissenschaftler und Verbraucherschützer halten den EU Pledge für gescheitert. Ärzte gehen davon aus, dass Werbung für ungesunde Lebensmittel auch dazu beiträgt, dass in Deutschland etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig sind.
Der Ökonom Tobias Effertz, Kindermarketing-Experte von der Universität Hamburg, wertet systematisch Lebensmittelwerbung aus, die sich an Kinder richtet. Sein Ergebnis: "Die Daten zeigen: Der EU Pledge ist völlig wirkungslos." Ein ähnliches Fazit haben kürzlich die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch gezogen. Nach Angaben von Foodwatch entsprechen 90 Prozent der an Kinder vermarkteten Lebensmittel nicht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Danach sollten zum Beispiel für an Kinder beworbene Joghurts maximal zehn Prozent Zucker enthalten, Frühstücksflocken maximal 15 Prozent Zucker oder Snacks maximal 0,1 Gramm Salz pro 100 Gramm. Auch der renommierte Kinderarzt Professor Berthold Koletzko von der Universitätsklinik München kommt zu dem Schluss: "Wir müssen sicherlich Werbung an Kinder stärker einschränken, wenn uns die Zukunft unserer Kinder am Herzen liegt und wenn wir die Kosten, die durch die Adipositas-Epidemie entstehen, einschränken wollen."


Lebensmittelindustrie lässt Kritik kalt


Die Lebensmittelindustrie lässt die Kritik seit Jahren kalt. Gebetsmühlenartig wiederholt der Bundesverband der Lebensmittelindustrie (BLL): Die Lebensmittel seien sicher, die Gründe für Übergewicht seien vielfältig und die Hersteller hielten sich an alle gesetzlichen Vorgaben. Von einer CDU/CSU-geführten Regierungskoalition hatten die Hersteller in Sachen Kindermarketing bislang wenig zu befürchten. Die CDU/CSU-Fraktion hat bis jetzt alle Versuche zur Verschärfung von Gesetzen bei Kinderwerbung abgelehnt. Der CDU-Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt stellt sich dem nun entgegen: "Wir müssen erreichen, dass Kinder nicht in dem Maße der Werbung für schädliche Lebensmittel ausgesetzt sind, weil das konditioniert sie für ihr Leben."Monstadt ist selbst an Diabetes erkrankt und sagt: "Viel reden nützt nichts, Taten sind gefragt."

 

Quelle: zdf.de

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