Verbraucher werden in die Irre geführt

Verbraucherschützer fordern "Health Claim"-Verbot"

 

Gesundheitsbezogene Werbung hat auf den Lebensmitteln nichts verloren", sagt Verbraucherschützerin Waltraud Fesser.Hersteller nutzten sie für Werbung und Marketing, denn diese "Health Claims" könnten auch für Lebensmittel eingesetzt werden, die viel Zucker, Fett oder Salz haben. "Das führt Verbraucher in die Irre", so Fesser.

 

"Es sind derzeit 222 Claims zugelassen, die meisten für Vitamine und Mineralstoffe", sagt Waltraud Fesser. "Hersteller können jetzt ihrem Produkt aus der Liste einen Stoff zusetzen." Sie könnten mit einem bestimmten Gesundheitsversprechen werben und sich ein beliebiges Profil zusammenstellen, "auch für Produkte, die ernährungsphysiologisch eher ungesund sind, weil sie zum Beispiel sehr viel Zucker oder Fett enthalten."


EU-Liste mit zulässigen Gesundheitsangaben

 

Die Werbeaussagen waren von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma überprüft worden. In deren Tests durchgefallen ist beispielsweise die Behauptung, "probiotischer" Joghurt stärke das Immunsystem. Erlaubt wurde hingegen "gut für die Verdauung" für Kekse mit viel Ballaststoffen.


"Gerade für Lebensmittel, die einen besonderen Zusatznutzen ausloben und häufig teurer sind als andere Produkte, muss der Grundsatz gelten: Was drauf steht, muss auch stimmen" erklärte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) im Mai 2012 in Berlin. Die Lebensmittelhersteller hatten danach sechs Monate Zeit, ihre bereits verpackten Produkte zu verkaufen. Danach sind alle nicht zugelassenen Angaben, sofern sie nicht geprüft werden, verboten.


Zu Beginn des Verfahrens 2008 hatte die EU 44.000 Anträge auf Zulassung vorliegen, von denen sich die meisten allerdings sinngemäß überschnitten. Auch aus der zusammengefassten Liste lehnten die Experten letztlich einen Großteil ab, andere Angaben stehen noch auf dem Prüfstand. Die Liste soll deshalb fortwährend aktualisiert werden.


Von den 44.000 eingereichten Anträgen hat die EU 4600 zur Untersuchung zugelassen - den Rest schon im Vorfeld als unwissenschaftlich abgelehnt. "Das war das böse Erwachen der Industrie", meint Prof. Hans Hauner von der Technischen Uni (TU) München. "Diese hat gedacht, 'da sitzen Leute und winken das einfach durch'." 80 Prozent der Produkte, die die Industrie als "gesundheitsfördernd" vermarktet, versagten im Test.


Die Studien der Firmen haben nicht durchgehalten, schildert Hauner: "Als erfahrener Wissenschaftler weiß man sehr schnell, wo möglicherweise Schwachstellen sind." Die Anträge für viele Probiotika sind gescheitert, schildert Prof. Dirk Haller von der TU München: Europas Lebensmittelkontrollbehörde habe "von vorneherein gesagt, schlecht charakterisierte Mikroorganismen fallen von vorneherein heraus."

 

Ein Feld zwischen "Humbug" und "Zusatznutzen"

 

"Wir haben Produkte, die Zusatznutzen bringen, aber wir haben auch Produkte, die eher Humbug sind", sagt Prof. Helmut Erbersdobler von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. "Aber in den Regalen sind Gott sei Dank doch eher die positiven." Mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Lebensmittel könnten Seefisch teilweise ersetzen, schließlich möge nicht jeder Fisch. Doch Prof. Gerhard Rechkämmer von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung meint: "Omega-3-Fettsäuren aus Fisch sind sicher anders zu betrachten als Omega-3-Fettsäuren, die als Zusatzstoff verwendet werden." Dort sind die Fettsäuren in Proteine und Fette eingebettet.


Das gelte auch für Obst und Gemüse: "Soweit wir bisher wissen, sind die Lebensmittel, die gesundheitsfördernde Wirkung haben, sehr komplex zusammengesetzt. Und es sind viele Stoffe enthalten. Wir wissen noch sehr wenig über das Zusammenspiel dieser verschiedenen 'bioaktiven' Inhaltsstoffe." Studien an Einzelsubstanzen seien negativ ausgegangen: "Der Gesundheitsnutzen, den man sich davon erhofft hatte, konnte nicht nachgewiesen werden."

 

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Quelle: 3sat

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