Video :: Blauanteile im Licht takten unsere innere Uhr

"Wenn wir am Tag eine Beleuchtung mit einem hohen Blauanteil haben, stärkt das die Aktivität und das Gehirn wird aktiviert, als ob wir Kaffee trinken", sagt Prof. Dieter Kunz.


"Die innere Uhr wird im wesentlichen durch die Blauanteile im Licht getaktet", weiß der Schlafforscher von der Berliner Charité. Das wirkt auf das "Schlafhormon" Melatonin. So kann etwa ein verringerter Blauanteil im Spektrum des Lichtes Studien zufolge dafür sorgen, dass der Körper in den Abendstunden verstärkt Melatonin ausschüttet und ermüdet. Der Tag-Nacht-Rhythmus wird zwar von vielen Faktoren beeinflusst, hauptsächlich aber von den Lichtverhältnissen.

 

"Licht beim Menschen gehört in den Tag hinein, nachts oder am Abend sollte es dunkel sein und wenn Licht zum falschen Zeitpunkt beim Menschen abends oder nachts vorkommt, dann wird die innere Uhr ganz wesentlich durcheinandergebracht." Sie wisse nicht, ob Tag oder Nacht ist und wie sie sich darauf einstellen solle, so Kunz. "Wir haben zeigen können, dass bei ganz herkömmliche Lampen, die jeder von uns zu Haus im Badezimmer oder auch in einem Büro hat, innerhalb von zehn Minuten die Melatoninsekretion im Körper ganz erheblich abnimmt."

 

Gewöhnliche Lampen unterdrücken Melatonin

 

"Es hat sich gezeigt, dass herkömmliche Lampen bereits zu einer in Abendstunden ungewollten Melatonin-Unterdrückung und vermehrter Wachheit führen", sagt Heinz Schöpp vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie in Greifswald. "Wenn Melatonin akut unterdrückt wird, ist man zum einen nicht mehr so müde in der Nacht, aber am nächsten Tag ist man auch nicht mehr so wach", schildert Kunz. "Wenn Sie das lange genug machen, entstehen Erkrankungen aus jedem Bereich der Medizin. Wir wissen, dass Schichtarbeiter auch ein erhöhtes Risiko für jede Tumorsorte haben, die bisher untersucht worden ist."

 

Dagegen behindern die neu entwickelten Lampen ohne Blauanteil die abendliche Melatonin-Ausschüttung und Schläfrigkeit nicht. Spezielle Lampen könnten künftig in der dunklen Jahreszeit fehlendes Sonnenlicht ergänzen Denkbar sind nach Angaben des Instituts zudem intelligente Beleuchtungssysteme, die je nach Tageszeit verschiedene Lichtspektren unterschiedlicher Intensitäten aussenden.

 

Noch steuert ein Computer die Versuchslampen. Irgendwann sollen sie sich selbstständig anpassen. Die "Financial Times Deutschland" berichtet jedoch, dass es durchaus noch Zweifel an dem Verfahren gebe. Sie zitiert dazu Prof. Barbara Griefahn vom Institut für Arbeitsphysiologie der Uni Dortmund: "Ich halte den Effekt für relativ gering." Lichtstärke und genetische Veranlagung spielten ebenfalls eine - unter Umständen bedeutendere - Rolle.

 

Falsches Licht im Schichtdienst kann krankmachen

 

"Die meisten Menschen, die in der Nachtschicht arbeiten, kommen wegen Schlafstörungen zu uns", berichtet Dr. Friederike Dunkel. "Die Schlafstörungen beginnen mit der ersten Nachtschicht und hören nicht mit der letzten auf, wenn sie sich wieder in die Tagschicht umstellen müssen: Durch die regelmäßigen Wechsel sind diese Schlafstörungen immer präsent." Viele berichten über einen chronischen Schlafmangel, "mit den entsprechenden Konsequenzen für den Arbeitsplatz und das soziale Umfeld."

 

Die meisten Schichtarbeiter haben gesundheitliche Probleme. Vor allem Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Im Oktober 2007 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheits-Organisation (WHO), bestimmte Formen von Schichtarbeit als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

 

"Dabei ist die Erhöhung des Risikos nicht mit der durch Rauchen zu vergleichen", sagt Thomas Erren, Leiter des Instituts für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Sozialhygiene der Uniklinik Köln. Bei Flugpersonal stellte sich ein um 70 Prozent höheres Brustkrebsrisiko heraus, für Prostatakrebs stieg das Risiko um 40 Prozent. "Ähnliche Ergebnisse erhielten wir bei Schichtpersonal", erklärt Privatdozent Thomas Erren.

 

Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass bestimmte Rezeptoren über den Außenreiz Licht einen starken Einfluss auf unsere innere Uhr haben und damit auf die Produktion von Melatonin. Die Wissenschaftler vermuten, dass veränderte Spiegel dieses Dunkelheitshormons das Risiko für eine Krebserkrankung erhöhen können. Erren schlägt vor, die Licht-Dunkel-Verhältnisse für Schichtarbeiter dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus anzunähern, um die inneren Uhren schneller auf Nachtarbeit umzustellen.

 

Lichteinfall beim Schlaf stört Tag-Nacht-Rhythmus

 

Erwiesen ist, dass Lichteinfall beim Schlaf den persönlichen Tag-Nacht-Rhythmus eines Menschen empfindlich stören kann. Das zeigte das Team um Jonathan Gastel vom "National Institute of Child Health and Human Development" in Bethesda (US-Staat Maryland) bereits 1998. Danach unterdrückt Lichteinfall während der Nacht die Aktivität eines Enzyms (N-Acetyltransferase oder AA-NAT), das zur Produktion des Melatonins erforderlich ist. Dieser Ablauf wird durch den ständigen Einfall von Licht in der Nacht, etwa durch eine vergessene Lampe, wie durch einen molekularen Schalter außer Kraft gesetzt, schrieben Gastel und Kollegen. Kurz zuvor hatten andere US-Forscher entdeckt, dass sich die innere Uhr nach einem "Jetlag" durch Lichteinwirkung in den Kniekehlen stellen lässt.

 

Scott Campbell und Team von der Cornell-Universität in White Plains (New York) beschienen die Kniekehlen schlafender Testpersonen jeweils drei Stunden lang und verschoben ihr Schlaf- und Wachbedürfnis damit je nach Bedarf vor und zurück.

 

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