Traumata ändern Gene

Traumata können die Genaktivität dauerhaft verändern, so Florian Holsboer vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

 

In Blutproben von Überlebenden der Katastrophe vom 11. September fanden Holsboer und sein Team 25 Gene, die methyliert worden waren - eine chemische Veränderung der DNA, die die Aktivität eines Gens beeinflusst. Darunter war ein alter Bekannter: das Gen FKPB5, das bei psychischen Erkrankungen eine Rolle spiele. Bei den Traumaopfern war es inaktiv. Betroffene können den Cortisol-Spiegel nicht mehr steuern und damit nicht mehr angemessen auf Stress reagieren.

 

Um wirksame Therapien gegen psychische Krankheiten zu entwickeln, müsse in Zukunft im Rahmen der Epigenetik noch intensiver erforscht werden, wie Umwelteinflüsse die Erbsubstanz eines Menschen verändern, forderte Holsboer.

 

Klar sei, dass Informationen von außen die Art beeinflussen, wie das Erbgut benutzt wird: Die Methylgruppen würden wie Signalflaggen auf den DNA-Strängen angebracht und legten somit fest, wie häufig ein Gen abgelesen wird. "Das Verständnis dieser epigenetischen Kodierung wird zum zukünftigen Schlüssel neuer Behandlungsstrategien", sagte Holsboer. 

 

Belastende Ereignisse graben sich im Gehirn ein

 

Betroffenen eines psychischen Traumas haben das Bild des schrecklichen Erlebnisses vor Augen und können es nicht wegschieben. Die Bilder tauchten auch in den Träumen wieder auf, wie die Münchner Diplom-Psychologin Marion Krüsmann erläutert. Wird das Trauma chronisch, vermeiden die Betroffenen auch Wochen und Monate danach systematisch Situationen, die sie an das Geschehen erinnern. Das kann immer weitere Kreise ziehen.

 

Nach einem Zugunglück kann das beispielsweise dazu führen, dass die Überlebenden auch andere Verkehrsmittel nicht mehr benutzen. Zudem sind die Betroffenen permanent schreckhaft und übererregt, Blutdruck und Pulsschlag sind überhöht. Migräne, Magengeschwüre, Depressionen und Schlafstörungen können hinzu kommen.

 

Nach Angaben der Psychologin leiden 30 Prozent derjenigen, die eine schwere Belastung hinter sich haben, unter einem Trauma. Bisweilen können die Symptome auch erst Jahre später auftreten, wenn eine ähnliche Situation die verdrängte Erinnerung plötzlich wieder wachruft. Oft leiden die Patienten erst nach drei bis acht Jahren so stark, dass sie zum Arzt gehen.

 

Es gibt verschiedene Therapien, wie Krüsmann erläutert. Der integrative Ansatz versucht zunächst, das aktuelle Umfeld zu stabilisieren und dann die Panik und Angstgefühle, die mit dem Trauma verbunden sind, schrittweise abzubauen. Bei einem anderen Konzept, dem sogenannten Debriefing, beschreiben die Betroffenen das schreckliche Erlebnis möglichst genau und tauschen Erfahrungen aus.

 

Ungünstig für die Bewältigung eines traumatischen Erlebnisses sei es, wenn die Opfer während des Unglücks gefühlsmäßig erstarren. Wesentlich bessere Aussichten hätten diejenigen, die noch in der Situation handelten. 

 

>>> Video: Panik in den Genen - 3sat

 

 

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